Am Anfang war das Wort

Räuber Hotzenplotz
In Zeiten des digitalen Medienwandels ist auch der Bereich der Kinder- und Jugendbücher im Umbruch. Die audiodigitale Tiptoi-Reihe von Ravensburger fährt Umsatzrekorde ein, es gibt Kinderbücher als E-Book, Apps für Kinder und vieles mehr. So innovativ das alles sein mag, nichts kann das Wichtigste ersetzen, das Kinder mit Medien erleben können: Die gemeinsame Zeit, die sie mit ihren Eltern oder Großeltern verbringen und dabei ein Buch vorgelesen bekommen. Das sind prägende Erlebnisse und nichts vermittelt die Freude am Lesen und den Spaß an Geschichten mehr als diese gemeinsamen Stunden. Wie nachhaltig dies im Gedächtnis bleiben kann, habe ich vor einiger Zeit in meinem Blog Kaffeehaussitzer unter dem Titel „Am Anfang war das Wort“ beschrieben. Dieser Beitrag passt so gut zu dem Ansatz des Blogs Wie werden wir lesen, dass ich ihn hier noch einmal unterbringen möchte. Weiterlesen

Der Bücherlotse oder stellvertretend für alle, die mich bislang durch die Literatur geführt haben

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Die Stimme weckte gleich meine Aufmerksamkeit als im »Buchhändlergespräch« im Deutschlandfunk der Buchhändler Klaus Bittner drei Literaturempfehlungen gab. Schön, dass die Buchhandlung auch nach Hause kommt, dachte ich, während ich zuhörte. Im Radiotempo ging es Schlag auf Schlag weiter. Erst ein Krimi, das interessierte mich eigentlich nicht, glaubte ich, aber dann packte mich seine Begeisterung und ich notierte mir den Titel, auch wenn die Moderatorin (es musste ja weiter gehen auf den Radiowellen) abrupt zur zweiten Empfehlung, einem Erzählband von Isaak Babel, schwenkte. Bittner änderte die Tonlage und umriss in wenigen Worten diese Entdeckung. Eigentlich hätte ich mich sofort auf den Weg machen müssen, um gleich bei ihm – und nur bei ihm – das Werk zu kaufen, nicht ohne noch ein paar begleitende Worte des Buchhändlers zu hören, warum man seinen Nachmittag oder Abend sofort mit diesem Buch verbringen sollte.

Ich blieb jedoch am Esstisch sitzen und lauschte weiter.  Die Moderation kam zum Schluss, das merkte ich der Stimme sofort an, aber die letzten 75 Sekunden füllte Bittner mit einer letzten Empfehlung. Ich war gebannt. Dann zog ich mich an und ging zu seiner Buchhandlung. Weiterlesen

Trennen – lieber nicht!

Opernband

Auf der Buchmesse unterhielt ich mich mit einem großen Literaturverleger über schön ausgestattete Bücher und warum E-Books trotz aller Vorteile nie daran heranreichen würden.

Klar, gab ich zu, in der Haptik sind sie unschlagbar. Aber ich muss doch, wie Sie, viel lesen, ich kann nicht alles mitnehmen.

Naja, sagte er, die Kollegin von der Zeit ist immer mit dem Rollkoffer unterwegs. Darin sind fast nur Bücher. Aber ich gebe zu, ich lese auch viel auf dem Kindle. Aber an eines werde ich mich nicht gewöhnen: Die Worttrennungen! Das scheint eine nicht zu heilende Krankheit zu sein. Lauter lustige Wortneuschöpfungen bei den Umbrüchen.

Am Nachmittag schaute ich mich bei den ausländischen Ausstellern um. Handwerklich vollendet ausgestattete Werke lagen dort aus. Die Seiten dufteten gut, die Farben der Photographien leuchteten. Beim Blättern kam es mir vor, als verbänden sich die Hände mit den Darstellungen. Dann lachte ich laut auf. Weiterlesen

Selfpublishing. Ein persönlicher Rückblick auf die Zukunft.

Selfpublishing

Selfpublishing ist ein Phänomen, zur Zeit in aller Munde und ein Trendthema der Medienbranche. Dabei ist es eigentlich nichts Neues. Auf die ersten selbstpublizierten Bücher bin ich 1998 aufmerksam geworden. Während meines Studiums der Verlagswirtschaft hatte ich einen Studentenjob auf der Frankfurter Buchmesse und gehörte zum Standpersonal des AKV-Gemeinschaftsstands, des Arbeitskreises Kleinerer Verlage. Hier konnten sich kleinere Verlage, denen eine eigene Buchmessepräsenz zu teuer war, zu einem günstigen Preis Plätze innerhalb des Gemeinschaftsstandes mieten. Außerdem stand ein Teil des Standes für Einzeltitel zur Verfügung, also für Autoren, die ein Buch geschrieben und dieses als Selbstverleger publiziert hatten.

Es war in etwa diese Zeit, als die Firma BoD – Books on Demand startete, die das Verlangen nach dem eigenen Buch relativ kostengünstig bediente. Hinterlegt wurde eine Druckdatei, die erst bei einem Kauf ausgedruckt wurde – in einer Qualität vergleichbar der eines handelsüblichen Taschenbuchs. BoD ist eine Tochterfirma von Libri, einem der drei großen deutschen Buchzwischenhändler, so dass die BoD-Titel im Libri-Katalog aufgeführt waren und theoretisch jederzeit über den Buchhandel bestellt werden konnten.

Ist also das Selfpublishing von heute nichts als neuer Wein in alten Schläuchen? Weiterlesen

»Das sollten Sie lesen!« – Buchempfehlungen im Bahnhof

Leseüberredung

Immer wenn es die Zeit vor einer Zugreise erlaubt, suche ich die Bahnhofsbuchhandlung auf. Viele sind gut sortiert und den Buchhändlern scheint es Freude zu machen, ihrer Laufkundschaft etwas auf dem Weg mitzugeben.

Im Kölner Hauptbahnhof zum Beispiel lädt im Seitenflügel ein funkelndes Schatzkästchen zum Besuch ein. Einige Tische sind bestückt mit aktuellen Titeln. Es ist ein sicherer Querschnitt zum aktuellen Literaturgeschehen. Aber das Besondere sind die Bauchbinden der engagierten Betreiber. In ein oder zwei Sätzen versuchen sie Ihre handschriftliche Leseüberredung. Und das gelingt ihnen oft. Sie sind sehr persönlich gestaltet. Inzwischen kann ich die Handschriften sogar dem jeweiligen Buchhändler zuordnen und bitte manchmal um nähere Auskunft. So besuche ich die Buchhandlung jede Woche, immer neugierig zu sehen, was dazugekommen ist, und was wieder verschwunden ist. Weiterlesen

Von Haptik und Büchern

Von Haptik und Büchern

Während der Frankfurter Buchmesse 2014 fiel nach einer längeren Testphase der Startschuss für Sobooks, ein gemeinsames Projekt der beiden Digitalpioniere Sascha Lobo und Christoph Kappes. Sobooks ist eine Mischung aus einem virtuellen Buchladen, einem E-Book-Verlag und einem sozialen Netzwerk. Wenige Monate vorher, im Juni 2014 hatte ich ein Interview mit Christoph Kappes gelesen, in dem er über die neue Form des elektronischen Lesens und über gedruckte Bücher sprach: Das Haben-Wollen ist ein psychisches Haben-Wollen, gerichtet auf einen physischen Gegenstand. Das scheint mir eine Verirrung der Libido und erinnert mich ein bisschen an das Skandieren im 17. Jahrhundert, mit dem man sich den Inhalt gewissermaßen einverleiben wollte. (…) Kulturtechniken ändern sich nur langsam. Man sieht aber bei Spotify schon gut, wie das „Haben-Wollen“ bei digitalen Gütern auf dem Rückzug ist. Auch das physische Buch wird sich zum ubiquitär verfügbaren Dienst verändern.

Diese Stelle ist mir im Gedächtnis haften geblieben. Sie ist für mich ganz typisch dafür, wie Digitalmenschen quasi mit einer Handbewegung das Haptische von gedruckten Büchern abtun, als wäre es etwas völlig Unwichtiges. Oder in diesem Fall noch eine semipsychologische Begründung dafür liefern, warum es sich dabei um eine Sinnesverwirrung handelt, eine Marotte, die durch die neue Kulturtechnik des digitalen Lesens und der digitalen Verfügbarkeit quasi zum Verschwinden verdammt ist. Nun, ich glaube, das ist ein Irrtum. Weiterlesen

Männer, die in Büchern lesen

Männerlesegruppe

Als wir begannen, ahnten wir nicht, dass unsere Bücherliste einmal 82 Bücher umfassen würde.

Wir sind acht Männer. Wir haben unterschiedliche berufliche Hintergründe. Wir kannten uns vorher nur zum Teil und treffen uns nun seit sieben Jahren in verschiedenen Bonner Kneipen, meist aber im Zartbitter, um über ein Buch zu sprechen. In der Regel ist dies einmal im Monat. Weiterlesen

Wie werden wir lesen

Schrift

Wie werden wir lesen. Ein Fragesatz ohne Fragezeichen, denn eine Antwort darauf gibt es nicht. Fest steht nur, dass wir uns gerade inmitten, oder vielmehr zu Beginn einer technischen Revolution stehen, die unser Leben schon jetzt stark verändert hat. Und noch viel mehr verändern wird, als wir uns das heute vorstellen können. Die Digitalisierung unserer Welt ist eine Umwälzung, gleichbedeutend mit der Erfindung des Buchdruckes. Die gesamte Art und Weise, wie wir heute kommunizieren und Medien rezeptieren hätte man vor 25 Jahren noch für Phantastik gehalten. Aber wie geht es weiter? Auf jeden Fall bleibt es spannend. Weiterlesen

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