Nichts als Lesen E-Book-Reader und Buch

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Bücher sollen verführen. Ausstattung, Papier, Typografie können Verstärker des Inhalts sein.

Andererseits lenkt gerade dies vom Eigentlichen, der Lektüre, ab. Der E-Book-Reader – so paradox es klingen mag – ist ein idealer Begleiter des Lesers in unserer heutigen Zeit.

Das einfachste Model ohne Hintergrundbeleuchtung vieler Hersteller liefert ein immer gleiches Schriftbild ohne Reflexionen. Das Gerät ist leicht und sofort betriebsbereit und verspricht 30 Tage Lesegenuss ohne Nachladen. Es ist nicht größer als ein Taschenbuch und einhändig bedienbar. In meiner Fantasie hätte ich mir früher so den Fortschritt vorgestellt.

Wenn ich unterwegs bin, schätze ich den Zugang zur Literatur auf diese Weise sehr. Der »Reader« verschwindet in einer Manteltasche und darf auch im Flugzeug mittlerweile durchgehend betrieben werden. Ein schwarzer Rahmen und ein mit elektronischer Tinte erzeugtes scharfes Schriftbild erweckt die Illusion einer realen Buchseite und lässt in die Lektüre versinken.

Die berührungsempfindliche Oberfläche ermöglicht, Textstellen zu markieren, Worte erklären oder übersetzen zu lassen.

Es gibt Tage, da lese ich nur noch auf diesem Gerät, weil es stets griff- und dienstbereit ist ohne mich wesentlich zu beschweren. Ich kann zwischen verschiedenen  Büchern wechseln. Kein Geräusch, keine Störung, eine verlässliche Seitendarstellung. Macht es das Buch vergessen?

Nein, natürlich nicht!  Nehme ich einen Band zur Hand, freue ich mich über das Wunder dieser Schöpfung, das Rascheln beim Umblättern, den Einband, das Leseband zwischen meinen Fingern, sein Gewicht, diese sichtbare Erinnerung an verbrachter Lesezeit. Die Art und Weise zu lesen hat viele Formen und dieses Medium ist hinzugetreten. Von der Bibliothek in der Hosentasche träumte ich als kleiner Junge. Dieser Traum ist wahr geworden.

Veröffentlicht von

Rechtsanwalt und Verleger, 1963 in Köln geboren, Buchautor, Leser und Sportler.

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