Das literarische Blogtett Über Buchblogger

Bloggertreffen FBM15
Photo: Orbanism

Literaturkritik findet neuerdings ja auch wieder im TV statt, in Zeitungen seit jeher, aber zunehmend und ernstzunehmend auch im Netz in Form von Buch- und Literaturblogs. Auf deren Seiten werden Bücher mit den Mitteln der Internetästhetik präsentiert.

Auf der Frankfurter Buchmesse gab es nun ein Buchblogger-Treffen. Es war eine Zusammenkunft der oftmals nur virtuell miteinander bekannten Netzrezensenten. Aber anders als im etablierten und ritualisierten Betrieb der Buchmesse ein paar Gänge weiter, ging es den Gesichtern und der Geräuschkulisse nach ungestüm, regellos, fröhlich und laut zu.

Was treibt Buchblogger um, die mit unglaublicher Liebe zum Detail Bücher formschön in Wort und Bild präsentieren? Wie soetwas mit den heutigen Gestaltungsmitteln aussehen kann, zeigt diese Übersicht.

Dass sich diese Gruppe nun auf der Frankfurter Buchmesse zusammenfand, gehört zu den hoffnungsvollen Zeichen dieser Veranstaltung, soweit sie sich mit der Zukunft des Lesens befasst. Denn hier geht es um die Faszination der Lektüre, um die Verbreitung von Leseerlebnissen in anders sozialisierte Leseschichten. Hier feiert sich nicht der etablierte Kulturbetrieb, sondern eine netzaffine Gemeinschaft, die das Lesen von Büchern zu einem geteilen sozialen Erlebnis nach den Regeln des Internets macht. Ihre Bewertungen erreichen die Suchmaschinen und reihen sich in den Ergebnislisten zuweilen an vorderen Stellen ein.

Buchblogger übernehmen dabei eine wichtige Funktion: Sie verbinden das »unplugged-Produkt« Buch mit Lesern, die nie auf die Idee kämen, ein »Literarisches Quartett« anzusehen, kein Feuilleton beachten oder von der üblichen Literaturkritik nicht angesprochen werden, sondern ihre Informationen fast ausschließlich online gewinnen.

Man darf gespannt sein, ob solche Treffen diese Bewegung weiter stärken werden. Seit einiger Zeit werden Blogger von Verlagen umgarnt und um Besprechungen gebeten, die Kontaktpflege zu ihnen gehört inzwischen zum festen Repertoire der Pressearbeit oder der Online-Aktivitäten von Verlagen. Das ist einerseits ein Anerkenntnis ihrer Rolle, andererseits eine Bedrohung ihrer Unabhängigkeit, weil sie instrumentalisiert werden könnten. Dennoch wird es sicher nur eine Frage der Zeit sein, bis der erste Buchblogger das Literarische Quartett bereichert und es zum Blogtett macht.

Veröffentlicht von

Rechtsanwalt und Verleger, 1963 in Köln geboren, Buchautor, Leser und Sportler.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich freue mich über den Beitrag meines Bloggerkollegen Markus J. Sauerwald, der damit einen spontanen Eindruck dieses wunderbaren LitBlogger-Treffens gegeben hat. Das Treffen wurde von Simone Dalbert organisiert, die den lesenswerten Blog http://www.papiergefluester.com betreibt. Als Literaturblogger habe ich mit großem Vergnügen daran teilgenommen und finde es gerade ganz großartig, darüber aus einer ganz anderen Warte zu lesen.

  2. Pingback: #netzrundschau 10/2015 | SchöneSeiten

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